VOR SONNENAUFGANG
Gerhart Hauptmann
Inszenierung Christoph Mehler
Bühne Anne Hölzinger
Kostüme Lene Schwind
Dramaturgie David Schliesing
Die Uraufführung von Hauptmanns Erstlingsdrama war 1889 ein Skandal: Seine Analyse sozialer Verwerfungen zeichnete pointiert eine Gesellschaft, in der die Schere zwischen arm und reich weit auseinanderklaffte. Heute trifft das Stück wieder schmerzhaft den Nerv: Die bürgerliche Mitte verliert an Substanz, Wertvorstellungen werden durchgeschüttelt, und die Angst, durchs soziale Netz zu rutschen, ist ungebrochen. Verlieren sich unsere Ideale in den globalen Vernetzungen eines unübersichtlichen internationalen Marktes?
Bauernfamilie Krause ist durch Kohlevorkommen auf ihrem Land zu Geld gekommen. Aber den Wirtschaftsgewinnlern ist mit dem Aufstieg der innere Halt verloren gegangen. Zwischen ihrem rücksichtslosen Wohlleben und den Nöten derer, die unter ihnen zurückbleiben, lässt sich mit den Theorien eines unzulänglichen Sozialreformers nicht mehr vermitteln. Wer das nicht begreift, ist Redakteur Alfred Loth, der bei Recherchen zur Arbeit der Grubenarbeiter auf seinen alten Freund Hoffmann, Schwiegersohn der Krauses, trifft. In ihrer Jugend teilten sie sozialistische Ideale. Nun stört Loth mit seinen wohlformulierten aber lebensfernen Thesen: im Ort wie in Hoffmanns Familie, die sich ihr Leben auf der Sonnenseite gut eingerichtet hat. Einzig Hoffmanns Schwägerin Helene sieht in ihm eine Hoffnung auf Rettung aus der familiären Misere. Sie zerbricht, als sich zeigt, dass es dem großen Reformer leichter fällt, Forderungen an die Welt zu stellen, als sie im eigenen Leben zu erfüllen.
Premiere am 14. Juni 2012, Kleines Haus







