Maria Hilf | Staatstheater Mainz


PRESSESTIMMEN

„Im scheinbar heiter sich bewegenden, unablässig wandelbaren Klangtreiben des Klaviers und den pointierten Vokalklängen (glänzend Stephan Zilias und die Sopranistin Tatjana Charalgina) zeigt es sich, dass zwischen den Damen bei Pergolesi und Sciarrino sowie Lachenmanns ‚Verlustanzeige‘ geheimnisvolle Beziehungen bestehen. Die Regie Georg Schütkys arbeitete das in den Bühnenräumen Yassu Yabaras und mit Hilfe der Kostüme Kristina Schmidts plastisch und intelligent heraus. Neben und mit Tatjana Charalgina (im Pergolesi) agierte auch Patricia Roach in Sciarrinos ‚Ekstase in einem Akt‘ als eine intensiv singende und agierende ‚Verrückte‘. Ein spannender Abend.“

 

„Die Instrumentalisten aus dem Philharmonischen Orchester Mainz unter Stephan Zilias erreichen eine authentische Wiedergabe“

FAZ, 6. Februar 2013

 

„‘Maria Hilf‘ lotet auf grandiose Art den menschlichen Umgang mit Trauer aus.“


„Tatjana Charalgina (Sopran) und Patricia Roach (Mezzosopran) agierten von den ersten Tönen des ‚Stabat mater‘ an so strahlend souverän und packend expressiv, dass man froh war um den Erfolg der Premierenverschiebung – vom Anlass dazu keine Spur!
Die Sekundreibungen  im Eröffnungsduett wurden genüsslich ausgereizt; Charalgina begeisterte mit lodernden Affekten; Roach zeigte betörende körperreiche Altlage (...). Insgesamt boten die Sängerinnen in allen Partien nicht nur exquisite, sondern herausragende Leistungen.“


„Das eigentliche Ereignis war aber ohnehin ein anderes – die Inszenierung. Schütky verstand es , mit wenigen Aktionen den unterschiedlichen Zugang zu Trauer deutlich zu machen, für den die beiden Frauen standen. Körperlich ringend und leidend Roach, die man in der Muttergottes-Rolle sehen konnte, die sich mit der Passion ihres Sohnes identifiziert; abgeklärter, distanzierter, zarter Charalgina, die in Gesten an Maria Magdalena denken ließ.“
Allgemeine Zeitung Mainz, 6. Februar 2013

 

STABAT MATER

Giovanni Pergolesi (17101736)

 

INFINITO NERO

Estasi di un atto (Ekstase in einem Akt)

Salvatore Sciarrino (*1947)

Text vom Komponisten nach Maria Maddalena de' Pazzi

 

GOT LOST

Helmut Lachenmann (*1935)

Nach Texten von Friedrich Nietzsche, Fernando Pessoa und eines Anonyms

Nicht nur das „Stabat mater“ von Pergolesi, auch „Infinito nero“ von Salvatore Sciarrino nimmt Bezug auf Maria, die Mutter Gottes. „Schaut die Mutter voller Schmerzen, wie sie, mit zerriss’nem Herzen unter’m Kreuz des Sohnes steht“ – das „Stabat mater“, insbesondere in der Vertonung von Pergolesi, ist sicher die anrührendste Vergegenwärtigung dieses ebenso menschlich ergreifenden wie kulturgeschichtlich folgenreichen Schmerzes: Maria, von schwerstem Verlust getroffen, erscheint als Vorbild inniger Anteilnahme.  

Anteilnahme kann sich zur Ekstase steigern, Menschen über die Grenzen ihres Selbst hinaustreiben: Salvatore Sciarrinos „Infinito nero“ beschwört den Augenblick selbstvergessenen Außer-Sich-Seins. Die Visionen der Mystikerin Maria Maddalena de’ Pazzi (1607 verstorben, 1669 heiliggesprochen) bilden die Textgrundlage. Sciarrinos Musik zeichnet erschütternd genau die Anatomie einer Ekstase, die noch über Gott hinaus in eine Wüste geht.

Eine englische Verlustanzeige – Fundstück in einem Fahrstuhl – gibt Helmut Lachenmanns „Got lost“ den Titel. Vermisst wird ein Wäschekorb, nicht Gott, wie der Titel, ohne ihn vor Augen zu haben, auch suggerieren könnte: God lost – Gott verloren. Helmut Lachenmann, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten, schickt neben Texten von Friedrich Nietzsche („Verloren bist du, glaubst du – an Gefahr“) und Fernando Pessoa diese Verlustanzeige durch ein ständig sich wandelndes „Klang-, Hall- und Bewegungsfeld“ und schafft ein Werk, das über einem Abgrund an möglichen Bedeutungen ein heiteres Spiel entfaltet.

Musikalische Leitung Stephan Zilias

Inszenierung Georg Schütky

Bühne Yassu Yabara

Kostüme Kristina Schmidt


Tatjana Charalgina

Patricia Roach

 

Philharmonisches Staatsorchester Mainz