Biedermann und die Brandstifter | Staatstheater Mainz


Pressestimmen

„Lorenz Klee macht aus Dienstmädchen Anna eine fein-humorige Travestie. Verena Bukal gibt Biedermanns Gattin als boulevardesk angehauchte Bürgerdame zwischen nervöser Überspanntheit und noch nervöserer Ängstlichkeit. Ein famoses Duo sind die beiden  Obdachlosen. Der proper-proletarische Exringer Schmitt kitzelt Biedermanns Eitelkeit: Der Haarwasserfabrikant will von ihm als sozial gutmenschlicher Kumpel gesehen werden – und fraternisiert bei Wein, Zigarren und Gänsebraten mit diesem Beelzebub. Karoline Reinke spielt in stoischer Eiseskälte den Teufel alias Exkellner Eisenring, der mit des feixenden Hausherrn Hilfe Zündschnüre zuschneidet. Der Zuschauer schmunzelt gern an diesem Abend, eine Atmosphäre hintergründigen Ernstes bleibt dennoch. Das rührt von Verzicht der Regie auf schrille Überdrehtheiten und von einer Personenführung, die aus dezent kleinteiliger Gestik und fein differenzierendem Sprechton eine Komik ernster Absurdität formt.“
Mainzer Rhein-Zeitung, 23. Januar 2012

 

„Gregor Trakis spielt dabei einen wunderbar schlaksigen, alle natürlichen Regungen unter einer schon schrecklichen Gefallsucht begrabenden Biedermann. Stefan Walz ist als Brandstifter Nr. 1, als der ehemalige Ringer Schmitz der Proletarier vom Dienst, rau und ruppig in Unterhemd und mit Hosenträgern. Karoline Reinke hingegen als dessen Mitstreiter, der Kellner Eisenring, hat in Frack und Vatermörder von Beginn an die vornehme Unnahbarkeit und beängstigende Kälte eines Höllenfürsten. Dazu Verena Bukal als Biedermanns aufgeregte Frau Babette und Lorenz Klee in der Rolle des tapsigen Dienstmädchens Anna, und fertig ist die Kleinbürger-Satire.“
Allgemeine Zeitung Mainz, 23. Januar 2012


„Kein Wunder, dass Biedermann sich im Himmel wähnt. Und der Zuschauer in einer amüsanten Inszenierung mit präzisem Biss.“
Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2012


„Das Lehrstück ist zeitlos und lässt sich am Mainzer Staatstheater frisch entstaubt besichtigen.“
FAZ Rhein-Main, 23. Januar 2012

„20 Jahre nach der Uraufführung: das feuergefährliche Benzin auf dem Dachboden, das unser Gottlieb Biedermann riecht und das ihn ängstigt und das er als Haarwasser deklariert, hat sich inzwischen vermehrt: es reicht für einen Weltenbrand”, schreibt Max Frisch 1978. Über 30 Jahre später sind die Gefahren, die unvermittelt ins Leben einbrechen, weiter gewachsen. Aber überfallen sie uns wirklich von außen, oder trägt eine Gesellschaft den Keim ihrer Zerstörung in sich selbst? Biedermann, ehrgeiziger Geschäftsmann und Hauseigentümer, terrorisiert gern: Strebt er, gemäß bürgerlicher Werte, nach äußerem Erfolg, so geht er zu diesem Zweck beiläufig über Leichen. Zur Verschleierung der eigenen Ungeheuerlichkeit schürt er, wie eine ganze Gesellschaft von Biedermännern, Stellvertreterängste. Die nivellierenden Angstformeln ihrer Stammtischpolitik erschweren allerdings den Blick auf wirkliche Gefahren: So akzeptiert Biedermann die Brandstifter auf seinem Dachboden bereitwillig. Den Erklärungen zu ihren Absichten kann er ohnehin nichts entgegensetzen. Stattdessen übt er sich im Verdrängen. Als auch ihn angesichts von Benzinfässern und Zündschnüren ein ungutes Gefühl überkommt, wird er doch aktiv – er versucht die Freundschaft der Brandstifter zu gewinnen und so das Unheil zumindest von sich selbst abzuwenden.
Frischs „Lehrstück ohne Lehre” um die kleinen, feigen Falschheiten, die doch eine Welt in den Abgrund reißen, hinterlässt auch in einer heutigen Gesellschaft deutliche Brandspuren.

Max Frisch

Inszenierung Marcus Mislin
Bühne Ines Alda
Kostüme Jutta Delorme
Dramaturgie Katharina Gerschler

 

Herr Biedermann Gregor Trakis

Babette, seine Frau Verena Bukal

Anna, ein Dienstmädchen Lorenz Klee

Schmitz, ein Ringer Stefan Walz

Eisenring, ein Kellner Karoline Reinke