Darius Milhaud
*La Création du monde* op. 81a
Nikolai Kapustin
Konzert Nr. 5 für Klavier und Orchester op. 72
Rudi Stephan
Musik für Orchester
George Gershwin
Rhapsody in Blue, Urfassung für Jazzband
Die 1920er Jahre waren nicht nur in Europa eine Zeit des Aufbruchs und der Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen, sondern auch in den USA, wo der Blues und Jazz der afro-amerikanischen Community die von klassischen europäischen Komponisten geprägte Musikwelt elektrisierte. Fasziniert von diesen für ihn völlig neuartigen Harmonien und Rhythmen, reiste der französische Komponist Darius Milhaud eigens nach New York, um in den Tanzlokalen Harlems den Jazz zu studieren. Seine dort gesammelte Inspiration ließ er gleich nach seiner Rückkehr in die Musik zu dem Ballett
La Création du monde einfließen, welches die Entstehung der Welt gemäß afrikanischer Erzählungen und Mythen darstellt. Mit einer Jazzband ähnlichen Besetzung verwebt Milhaud darin barocke Formen auf brillant-erfinderische Weise mit Blues und Dixieland.
Als vielversprechender Nachwuchskomponist wurde der in Worms geborene Rudi Stephan gehandelt, bevor der Erste Weltkrieg seinem jungen Leben ein zu frühes Ende setzte. Seine Musik steht auf der Schwelle zwischen Spätromantik und Moderne und bezieht sowohl tonale Tradition als auch impressionistische Klänge und freitonale Entwicklungen ein. Vor allem aber zielt sie auf Spannung, Ausdruck, Farbe und soll ganz ohne symbolische Aussage aus sich selbst heraus wirken. Daher wählte Stephan für sein 1913 mit großer Beachtung uraufgeführtes Werk auch den neutralen Titel
Musik für Orchester.
Ein jüngeres Beispiel für eine gekonnte Verbindung von klassischen Strukturen und den mitreißenden Rhythmen des Jazz ist das fünfte Klavierkonzert des ukrainisch-russischen Komponisten Nikolai Kapustin. 1993 geschrieben, zeichnet es sich durch eine faszinierende Mischung aus nostalgischem Blues, lässigem Swing und eine rasante Virtuosität aus. Nicht zu überhören sind darin stilistische Parallelen zum Vorbild George Gershwin, der wie kein anderer für die Fusion von sinfonischer Musik und Jazz steht.
Geleitet von seinem untrüglichen Gespür für Melodien mit Hitpotential hatte Gershwin 1924 mit der
Rhapsodie in Blue das erste Jazz-Klavierkonzert der Musikgeschichte geschaffen. Das Werk ist vor allem in der Version für großes Sinfonieorchester bekannt geworden, seine ursprüngliche Fassung für Klavier und Jazzband hingegen besticht durch einen noch eigenwilligeren, jazzigeren Charakter, der in der Interpretation des international renommierten Frank Dupree Trio authentisch zur Geltung kommen wird.