Brett Carter, Verena Tönjes, Dorin Rahardja, Steven Ebel, Michael Dahmen, Nadja Stefanoff /Foto: Andreas Etter

Virtuelles Programmheft ADRIANA LECOUVREUR

Mit diesem virtuellen Programmheft wollen wir Sie einladen, sich eingehender mit ADRIANA LECOUVREUR zu beschäftigen. Zum Beispiel mit Texten zum Stück und Interviews, Kostümentwürfen sowie Rollenportraits und Probeneinblicken.


HANDLUNG ADRIANA LECOUVREUR

Michael Dahmen, Ensemble /Foto: Andreas Etter

Erster Akt

In der Garderobe bereiten sich die Schauspieler*innen auf ihren Auftritt vor. Der einflussreiche Fürst von Bouillon und sein Assistent Abbé von Chazeuil besuchen die Künstler*innen hinter den Kulissen. Der Fürst hat ein heimliches Verhältnis mit der Schauspielerin Duclos. Diese hat gerade im Auftrag der Fürstin von Bouillon einen Brief an Maurizio verfasst. Mit diesem Brief lädt die Fürstin Maurizio zu einem heimlichen Treffen am selben Abend ein. Der eifersüchtige Fürst zieht daraus eine falsche Schlussfolgerung. Er glaubt, seine Geliebte Duclos habe selbst ein Verhältnis mit Maurizio. Mit Hilfe des Abbé will er dieses vermeintliche Verhältnis aufdecken.


Nadja Stefanoff, Michael Dahmen /Foto: Andreas Etter


Die Vorstellung beginnt. Die Schauspielerin Adriana Lecouvreur bleibt mit dem Regisseur Michonnet allein zurück. Seit langem ist er heimlich in Adriana verliebt und will ihr nun endlich seine Liebe gestehen. Als Adriana allerdings beginnt, von ihrem neuen Schwarm Maurizio zu sprechen, beschließt Michonnet, seine Zuneigung weiter für sich zu behalten.

Wenig später besucht Maurizio Adriana hinter den Kulissen. Bevor Adriana auf die Bühne geht, schenkt sie ihm noch eine Blume. Nach der Vorstellung wollen sich die beiden wieder sehen. Doch dann erhält Maurizio den Brief der Fürstin, von der er sich Unterstützung in beruflicher Hinsicht erhofft. Da Adriana bereits auf der Bühne steht, übermittelt Maurizio ihr mit Hilfe eines Requisits die Nachricht, dass er die Verabredung am Abend nicht einhalten kann.

Nach der Vorstellung lädt der Fürst alle Schauspieler*innen zu einer Feier ein. Mit dieser Feier will er das vermeintliche Rendezvous der Duclos mit Maurizio stören, bei dem es sich in Wahrheit um ein Treffen der Fürstin mit Maurizio handelt.

„Die Figur der Adriana Lecouvreur ist nicht der Fantasie eines geschickten Theaterdichters entsprungen, sondern bezieht sich auf eine historische Gestalt. Adrienne Lecouvreur war Schauspielerin an der Comédie-Française. Sie war die meist umjubelte Tragödin ihrer Zeit, modern gesagt: ein Star. Was uns heute auf der Opernbühne begegnet, ist eine Legende, wie sie sich um das Privatleben solcher Stars zu bilden pflegt.“

Tatjana Michaelis
Figurinen: Adriana Lecouvreur / Principessa di Bouillon
Figurinen: Maurizio / Michonnet

Zweiter Akt

Sehnsüchtig wartet die Fürstin auf Maurizio, in den sie leidenschaftlich verliebt ist. Als er endlich erscheint, erzählt sie ihm, dass sie sich für seinen nächsten Karriereschritt eingesetzt habe. Doch Maurizio verhält sich überraschend reserviert. Die Fürstin wirft ihm vor, eine andere Frau zu lieben. Maurizio kann dies nicht leugnen, verschweigt der Fürstin jedoch Adrianas Namen.

Die angespannte Situation wird durch die Ankunft des Fürsten und des Abbé unterbrochen. Die Fürstin muss sich vor ihrem Mann verbergen und zieht sich in ein Versteck zurück.

Der Fürst unterstellt Maurizio, er treffe sich heimlich mit der Duclos. Adriana trifft ein und ist überrascht, Maurizio zu begegnen.

Der Fürst und der Abbé vermuten, die Duclos befinde sich im Versteck, und wollen sie nun stellen. Als Maurizio sie davon abhält, wird Adriana misstrauisch. Sie fürchtet ebenfalls, Maurizio könne ein Verhältnis mit der Duclos haben. Maurizio versichert ihr, dass sich eine andere Frau im Versteck befinde und dass diese seine Hilfe benötige. Adriana beschließt, Maurizio zu vertrauen. Sie hilft der fremden Frau, unbemerkt nach draußen zu gelangen. Dabei schöpfen beide Frauen Verdacht und vermuten in der jeweils anderen eine Rivalin um Maurizio.

„Durch meine Arbeit als Kostümbildner habe ich viel Zeit mit großen Diven in Garderoben verbracht, mit berühmten Opernsängerinnen und Schauspielerinnen. Jedes Mal, wenn eine solche Künstlerin vor dem Spiegel steht, beobachte ich eine gewisse Fragilität, eine tief sitzende Unsicherheit, die sie verwandelt und wieder zu einer Anfängerin werden lässt.“

Gianluca Falaschi

Michael Dahmen, Vincenzo Costanzo, Nadja Stefanoff /Foto: Andreas Etter


Dritter Akt

Der Fürst von Bouillon gibt erneut ein Fest. Während der Abbé die letzten Vorbereitungen trifft, denkt die Fürstin noch immer über die fremde Frau nach, die zugleich ihre Retterin und Rivalin ist.

Die Gäste treffen ein, darunter auch Adriana in Begleitung von Michonnet. Der Klang von Adrianas Stimme lässt die Fürstin aufmerken. Um herauszufinden, ob Adriana die Geliebte Maurizios ist, erzählt die Fürstin, Maurizio sei in einem Duell verwundet worden. Adriana erschrickt sichtlich, was den Verdacht der Fürstin erhärtet.

Nadja Stefanoff /Foto: Andreas Etter

Maurizio erscheint und Adriana beobachtet eifersüchtig, wie er sich leise mit der Fürstin unterhält. Es kommt zum Schlagabtausch zwischen den beiden Frauen. Der Fürst bittet Adriana um einen künstlerischen Beitrag zum Fest. Adriana trägt die Klageszene der Phädra in einer Weise vor, die die Fürstin unmissverständlich als untreue Ehefrau bloßstellt.

„Man verliert bei ihr nie den Abgrund aus den Augen, vor dem ihre Berühmtheit sowohl sie als auch uns Betrachtende schützen soll. Zwar kann sie einen göttlichen Status einnehmen, weil sie von der Welt immer schon abgesondert gewesen zu sein scheint. Doch die Botschaft, die sie uns vermittelt, läuft auf eine fehlende Stabilität in ihr und damit auch in uns hinaus.“

Elisabeth Bronfen

Vierter Akt

Einige Zeit später stattet Michonnet Adriana einen Besuch ab. Sie vertraut ihm an, dass sie nicht mehr auf die Bühne zurückkehren werde. Adrianas Schauspielkolleg*innen kommen ebenfalls zu Besuch und bringen Adriana Geschenke mit.

Michonnet schickt die Gäste fort und Adriana öffnet ein weiteres Geschenk. Es enthält die Blume, die sie Maurizio einst geschenkt hatte. Die Erinnerung an das vergangene Glück erschüttert Adriana zutiefst. Im Moment tiefster Verzweiflung erscheint Maurizio und entschuldigt sich bei Adriana für sein langes Fernbleiben. Plötzlich beginnt sie zu schwächeln und erkennt Maurizio nicht mehr. Michonnet vermutet, die Blume könnte ein tödliches Gift enthalten haben. Adriana stirbt.

Would you
Let me
Sleep
Please?
I lead
The most
Miserable
Of lives
Without you
So please
At least
Let
Me sleep

Marlene Dietrich
Figurinen: Principe di Bouillon und Abate / Quinault und Poisson
Figurinen: Jouvenot / Dangeville